Liebe die unter die haut geht.

Manche Ideen entstehen nicht auf einer Party oder nach einer langen Planungsphase. Manche Ideen kommen einfach plötzlich. So war es auch bei mir.
Es war ein Samstagmorgen im Sommer 2021. Ich saß auf meinem Balkon, trank meinen Kaffee und genoss die Ruhe. Meine bessere Hälfte schlief noch, die Welt war noch angenehm leise und ich hing meinen Gedanken nach. Wie so oft wanderte mein Blick durch die Wohnung und blieb an etwas hängen, das für mich eine ganz besondere Bedeutung hat: meine erste Kutte von 1993.
Diese Kutte begleitet mich seit Jahrzehnten. Sie hat unzählige Spiele, Auswärtsfahrten, Feiern und Erlebnisse mitgemacht. Mittlerweile hängt sie in einem Bilderrahmen an der Wand. Nicht, weil ich sie nicht mehr liebe, sondern weil sie inzwischen so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie langsam zerfällt. Tragen kann ich sie kaum noch, dafür steckt einfach zu viel Geschichte in ihr.
Während ich meinen Kaffee trank, dachte ich darüber nach. Ich bin Eintracht-Fan durch und durch, Kuttenträger aus Leidenschaft und außerdem jemand, der sich einen Großteil seiner Tattoos selbst gestochen hat. Irgendwann kam die Frage auf: Mein Rücken ist eigentlich noch frei. Was könnte dort hin?
Und plötzlich war die Idee da.
Nicht irgendein Motiv. Nicht ein Adler. Nicht ein Schriftzug. Sondern meine erste Kutte.
Ich wollte mir meine Kutte auf den Rücken tätowieren lassen.
Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir die Idee. Es sollte nicht einfach nur ein Tattoo werden. Es sollte ein Denkmal für einen wichtigen Teil meines Lebens werden. Ein Stück meiner Geschichte, für immer auf meiner Haut verewigt.
Kurz darauf kam meine Frau auf den Balkon. Sie fragte mich, worüber ich so intensiv nachdenken würde. Ich erzählte ihr von meiner Idee.
Ihre Antwort überraschte mich.
Sie sagte: „Warum nur auf dem Rücken? Wenn du das machst, dann richtig. Es sieht doch komisch aus, wenn das Motiv einfach an den Seiten aufhört.“
Mit diesem Satz war aus einer verrückten Idee plötzlich ein echtes Projekt geworden.
Und ich wusste sogar schon, wer das umsetzen sollte.
Ich hatte sofort Helenka aus Frankfurt-Niederrad im Kopf. Für mich war sie die perfekte Tätowiererin für dieses Vorhaben. Allerdings wusste ich auch, dass dieses Projekt alles andere als alltäglich war.
Einige Wochen später trafen wir uns beim Run Barbecue in Frankfurt-Sachsenhausen. Dort sprach ich sie zum ersten Mal auf meine Idee an.
„Helenka, ich möchte mir eine komplette Kutte tätowieren lassen.“
Ihre Reaktion war eher zurückhaltend. Ob sie dachte, ich würde scherzen, weiß ich bis heute nicht. Jedenfalls hatte ich nicht das Gefühl, dass sie die Idee wirklich ernst nahm.
Aber ich ließ nicht locker.
Etwa vier Wochen später trafen wir uns erneut in Sachsenhausen. Dieses Mal setzten wir uns zusammen, tranken ein Bier und redeten ausführlicher darüber.
Ich sagte zu ihr:
„Helenka, das war damals kein Scherz. Ich meine das ernst. Ich möchte das wirklich machen. Sag mir einfach, was es kostet.“
Und dann geschah etwas, womit ich fast nicht mehr gerechnet hatte.
Sie machte mir tatsächlich ein Angebot für die Tagessitzungen. Einen Preis, bei dem ich nicht Nein sagen konnte.
In diesem Moment war klar: Aus einer spontanen Idee auf dem Balkon wurde Realität.
Der Termin stand fest.
Am 4. Januar 2022 begann das Abenteuer.
An diesem Tag hatte ich meine erste Tattoo-Sitzung bei Helenka vom Illegal- Tattoo Studio.
Was als Gedanke bei einer Tasse Kaffee begonnen hatte, sollte sich zu einem der größten und persönlichsten Tattoo-Projekte meines Lebens entwickeln.
Und genau davon erzähle ich im nächsten Teil.

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