Der Beginn einer Leidenschaft: meine erste Kutte

Ich wurde 1974 in Sömmerda Thüringen geboren. Anfang der 1990er Jahre begann ich in Parsberg eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Durch Arbeitskollegen kam ich damals erstmals regelmäßig mit Fußball in Berührung und ging mit ihnen zu Spielen des 1. FC Nürnberg. Dort hatte ich auch meine ersten Berührungspunkte mit der Kuttenkultur.
Die Ausbildung führte mich letztlich nicht auf meinen weiteren Lebensweg. Ich zog zurück zu meinen Eltern nach Bad Soden-Salmünster und begann eine Metzgerlehre. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ein Ausflug nach Frankfurt mein Leben als Fußballfan nachhaltig prägen würde.
An einem Wochenende in der Saison 1992/93 machte ich mich auf den Weg zu einem Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV. Schon am Bahnhof fielen mir die ersten Kutten auf. Die Jacken voller Aufnäher, Schals und Vereinsabzeichen hatten eine besondere Ausstrahlung. Irgendetwas daran faszinierte mich sofort.
Am Stadion angekommen, kaufte ich mir zunächst einen Schal, holte mir eine Bratwurst und ein Bier und besorgte mir die günstigste Eintrittskarte, die zu bekommen war. Mein Platz führte mich in den damaligen G-Block. Dort standen überwiegend Kuttenträger – Menschen, die ihre Leidenschaft für den Verein sichtbar auf der Jacke trugen.
Je länger ich dort stand, desto klarer wurde mir: Genau hier fühle ich mich wohl. Die Atmosphäre, die Menschen und die Art, wie die Fans ihre Verbundenheit zur Eintracht lebten, beeindruckten mich. Ich wusste einfach: Hier bin ich richtig.
Etwa zwei Wochen später traf ich einen Kumpel wieder, der im selben Ort wohnte. Er lud mich zum Essen ein. Nach dem Essen verschwand er kurz und kam mit einer Jeansjacke zurück.
„Schneid mal die Ärmel ab“, sagte er.
In diesem Moment protestierte seine Frau lautstark. Die Jacke war schließlich sehr teuer. Doch mein Kumpel blieb bei seiner Meinung und wiederholte nur: „Schneid ab.“
Also schnitt ich die Ärmel ab.
Danach ging er an seinen Schreibtisch, holte einen großen 80er-Adler hervor und legte ihn vor mich.
„Den nähst du jetzt auf.“
Zum Glück konnte ich nähen. Also setzte ich mich hin und brachte den Adler auf der Jacke an. Ohne großes Nachdenken entstand so Anfang 93 meine erste Kutte.

Schon damals war das für mich nicht einfach nur eine Kutte wie viele andere. Sie war Ausdruck meiner Begeisterung für die Eintracht und meiner Zugehörigkeit zur Kuttenkultur. Niemand konnte ahnen, welchen Stellenwert sie später einmal haben würde oder wie viele Geschichten ich mit ihr erleben würde.
Heute, viele Jahre später, ist diese erste Kutte immer noch etwas Besonderes für mich. Nicht wegen ihres Bekanntheitsgrades, sondern weil sie mich an den Moment erinnert, in dem alles begann. Manchmal sind es gerade Kleinigkeiten und kleine Gesten, die dich einen neuen Weg einschlagen lassen und dich ein Leben lang begleiten.

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